Zur Attraktivität des Dienstes in den Streitkräften
Gastbeitrag von Hans-Peter Bartels und Ursula Mogg in der Zeitschrift Die Bundeswehr (April 2008)
Beim Festakt zur 50-Jahrfeier des Deutschen Bundeswehrverbandes bekannte Bundeskanzlerin Merkel: „Ich stehe zur Wehrpflichtarmee. Aber wir sollen auch viele haben, die sich entscheiden, Berufssoldat zu werden. Dies muss ein Beruf sein, für den sich die Besten entscheiden wollen und können. Das hat auch etwas mit dem sozialen Umfeld und mit den materiellen Gegebenheiten zu tun.“„Die Besten“, die sich für die Bundeswehr entscheiden sollen, kommen in Zukunft aus immer kleineren Jahrgängen; denn der demographische Wandel trifft alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Um den schrumpfenden Nachwuchs konkurrieren die Wirtschaft, der öffentliche Dienst und auch die Bundeswehr. Gegen die Wucht dieses Wandels nehmen sich die Gegenrezepte eher harmlos aus: späterer Renteneintritt, höhere Frauenerwerbstätigkeitsquote, gesteuerte Zuwanderung, Rationalisierung. Für die Bundeswehr sind spürbare personelle Engpässe hinsichtlich Stellenbesetzung und Auftragserfüllung vorprogrammiert – beginnend ab 2009.
Gravierend sind heute schon die Lücken in einzelnen Spezialverwendungen.
Die Konkurrenz drückt und wird schärfer. Die Bundeswehr muss sich deshalb für den Kampf um die besten Köpfe attraktiver aufstellen.
Zuerst kommt, auch für die Soldaten, das Materielle. Zwei Euro mehr Wehrsold für Wehrpflichtige sind gut ebenso wie eine Gehaltserhöhung bei den Zeit- und Berufssoldaten. Der Bund sollte bei diesen Forderungen nicht nur kameralistisch argumentieren.
Deutliches Verbesserungspotenzial gibt es bei der Beförderungs- und Planstellensituation.
Die Schere zwischen gestiegenen Anforderungen und die Entwicklung des Entgelts geht immer weiter auf. Und 18 Jahre nach der deutschen Einheit ist die „Ost-Besoldung“ in einer Armee, die gemeinsam übt und eingesetzt wird, nicht mehr nachvollziehbar.
Es ist etwas anderes, ob Erwerbstätige Taxi fahren, in der Krankenpflege arbeiten, als Lehrerinnen und Lehrer tätig sind, oder ob jemand für 92,03 Euro Auslandsverwendungszuschlag am Tag damit rechnen muss, im Einsatz zu töten oder getötet zu werden, zu verwunden oder verwundet zu werden bzw. ein Leben lang mit gesundheitlichen Handicaps umgehen zu müssen.
Mit dem Einsatzversorgungsgesetz ermöglichen wir Soldatinnen und Soldaten, die im Einsatz gesundheitliche Schäden erlitten haben, bei der Bundeswehr zu bleiben. Oft ist der Wunsch zu hören, dass sich die Dauer und individuell sehr unterschiedliche Belastung durch die Auslandseinsätze in Anrechnungszeiten, etwa beim Eintritt in den Ruhestand niederschlagen sollte. Dies könnte sinnvoller sein als einfach nur mehr „Cash“.
Nicht vom Tisch ist aus der Sicht der Fachpolitiker im Deutschen Bundestag die sog. S-Besoldung für Soldatinnen und Soldaten.
Attraktiv ist ein Arbeitgeber immer dann, wenn er neben einer hochwertigen Ausbildung Fort- und Weiterbildungsangebote machen kann – bei der Bundeswehr für Zeitsoldaten darüber hinaus solche für den Wechsel in die zivile Arbeitswelt. Für Unteroffiziere ist die Weiterentwicklung der Kooperation mit der Wirtschaft wichtig.
Spricht man mit Soldatinnen und Soldaten darüber, was sie sich von ihrem Arbeitgeber am meisten wünschen, fällt fast immer spontan der Begriff „Planbarkeit“. Diesen Punkt sollte die Personalführung stärker berücksichtigen.
Die Staatsbürgerin und der Staatsbürger in Uniform sind Teil gesellschaftlicher Veränderungsprozesse. Auf das Problem der Vereinbarkeit von Familie und Dienst in den Streitkräften reagiert die Bundeswehr mit einer eigenen Konzeption. Sie bietet deutliche Fortschritte, z.B. Teilzeitbeschäftigung und Telearbeit. Angebote der Kinderbetreuung müssen hinzukommen und mit Haushaltsmitteln unterlegt werden.
Nachdem für Frauen der Zugang zur Bundeswehr vollständig geöffnet wurde, gibt es Beziehungen zwischen Soldaten und Soldatinnen. Eine solche Verbindung bedeutet das Risiko einer Fernbeziehung. Auch wenn es hierzu noch keine Studien gibt, ist das Problem erkennbar.
Zur neuen Familienrealität gehört, dass die Ehefrau des Soldaten einer eigenen Erwerbstätigkeit nachgeht. Zu sehr bleibt die Bundeswehr hier noch dem alten Rollenbild der Hausfrau und Mutter verhaftet.
Es gilt für den Auftrag der Bundeswehr zu werben, qualifiziertes Personal zu gewinnen. Dabei geht es um ideelle Präsenz – schließlich sind unsere Soldaten keine Söldner. Aber selbstverständlich geht es auch um eine Verbesserung des Materiellen.
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